Nachlese von Arne Tiedemann

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 Freitag, 2.Oktober 2009

Unplugged-lich gut drauf!
"
Farmers Road Blues Band"
auch ohne Strom elektrisierend!
 

Wenn man vor Konzertbeginn auf die kleine Bühne sah, war man eher an die Schaufensterauslage von Musik Hofer im Flamweg erinnert und man fragte sich wie bei diesem Gewirr aus Notenständern, Kabeln und Instrumenten dazwischen noch eine komplette Bluesband passen sollte. Als wenn die Band es nicht selbst wissen würde, begann das Konzert dann auch auf der Empore des Haus 13 und so schritten Frontmann Dirk Theege, Sängerin Tine Wichmann und Gitarist Sven Lange mit einem Gospel die Stufen herunter und eröffneten kurz nach halb neun das Konzert.

Bereits um viertel vor acht war das Haus 13 wieder einmal restlos gefüllt, nicht nur der leichten Verwirrungen wegen um den tatsächlichen Konzertbeginn (20.00 oder doch erst 20.30 Uhr?), sondern vor allem aufgrund der Vorfreude auf eine renommierte Elmshorner Band.

 

Fragte sich bestimmt der ein oder andere zuvor noch, ob denn unter dem Vorzeichen „unplugged“ eher Lagerfeuermusik anstatt satter Sound zu erwarten sei, der schob spätestens nach dem zweiten, dritten Stück alle Bedenken beiseite, denn auch ohne gewohnte Instrumentierung rollte es einfach. Theeges im Lauf des Abends immer kratziger werdende Stimme und die gewaltige „Röhre“ Tine Wichmanns führte die Besucher an diesem Abend genregemäß mehr als passend durch fast 90 Jahre Blues von Chicago über den Süden der Vereinigten Staaten bis hin in die Blues Metropole Elmshorn. 

Bei allen melancholischen und traurigen Klischees, die dem Blues anheften, machte die Band und vor allem ihr Kopf und Ansager Dirk Theege zwischendurch immer wieder deutlich, dass die Farmers Road Blues Band eine humorige Truppe ist und sich nicht zu schade ist auch einmal selbst auf die Schippe zu nehmen, die ein oder andere Frotzelei zwischendurch zeugt von einem entspannten Miteinander unter den Musikern. 

So ganz „unplugged“ war der Abend dann aber nun doch nicht, denn Theege, der bei fast jedem Lied die Gitarre und in der Pause sein Hemd wechselte, spielte dann auch E-Gitarre, also auch „plugged“. Fast schon am

 

Ende des dreistündigen Konzerts ging er mit seinem Instrument durch die Reihen, aber auch so war der Funke schon längst aufs Publikum übergesprungen und überall wurde im Takt mitgenickt, - geschnippt und -gestampft. Und es rollte immer noch.

Zwischen den Bluesstücken gab die Band auch Balladen und vor allem bei diesen ruhigen Stücken drehte Tine Wichmann so richtig auf und ließ die volle Bandbreite ihrer Stimme erst richtig auf die begeisterten Zuhörer los, was diese mit hörbarer Begeisterung belohnten. Wenn man die junge Sängern auf der Bühne sieht, dann mag man gar nicht glauben, dass eine so liebe, fast schüchterne, Erscheinung so ein ausbrechender Stimmvulkan ist. Was ihr vielleicht noch fehlt, ist ein bisschen das divenhafte Gebaren auf der Bühne, das aber nur als ganz persönliche Meinung.

Bleibt nur noch zu sagen, dass Saxophonist Daniel Faust kurzfristig für Olaf Barkow einsprang, sich aber exzellent einfügte und bei seinen Soloparts dementsprechend mit Szenenapplaus bedacht wurde. Genau so wie Pianist Ralf Gehrt, der scheinbar vom ganzen Geschehen unbeteiligt und nur wie zufällig am Klavier zu sitzen schien, aber filigran und unermüdlich seine Finger mal sanft, mal rau, über die Tasten schnellen ließ.  

So ging ein tolles Konzert etwa um halb zwölf zu Ende und ließ im Grunde nur einen Wunsch offen, dass die Band bald wieder kommt und das Haus 13 erneut zum Down Town Blues Club wird.

 
Nachlesen 2009

HAUS 13 --- Adolfstrasse 13 --- Elmshorn